Qualität als Maßstab schulischer Inklusion – Eckpunkte des Schulministeriums dennoch ambitioniert

Das Ministerium für Schule und Bildung (MSB) hat seine Eckpunkte zur Umsteuerung der schulischen Inklusion in Nordrhein-Westfalen am Freitag (06.07.2018) vorgelegt. Darin werden nun Qualitätsstandards für das Gemeinsame Lernen benannt, die unter Bereitstellung massiver zusätzlicher Ressourcen realisiert werden sollen. Dazu gehört u.a. der systematische Einsatz von Sonderpädagogen.

Aus Sicht des nordrhein-westfälischen Philologen-Verbands sind die genannten Aspekte vielversprechend: „Wir begrüßen sehr, dass der Maßstab der Qualität in den Mittelpunkt rückt. Inklusion ist kein Selbstzweck, sondern soll allen (!) Schülerinnen und Schülern das Bildungsangebot eröffnen, das sie maximal fördert. Es ist gut, dass das Ministerium einen konkreten Plan zur Optimierung der personellen und sächlichen Voraussetzungen vorlegt. Damit setzt sich das Ministerium selbst – auch angesichts des riesigen Lehrermangels im Förderbereich – unter großen Druck“, so der Vorsitzende Peter Silbernagel.

Die Eckpunkte des MSB erfüllen eine wichtige Forderung des Philologen-Verbandes: „Zieldifferentes Unterrichten an Gymnasien wird nicht mehr ‘von oben‘ verordnet, sondern an die Freiwilligkeit und konzeptionellen Vorgaben der Schulen gekoppelt“, zeigt sich Peter Silbernagel zufrieden mit den Ankündigungen des Schulministeriums. Zum jetzigen Zeitpunkt ist noch klärungsbedürftig, was mit Gymnasien passiert, die in ihrem Umfeld keine Förderschulen mehr haben.

Nach Jahren der Unzufriedenheit aller Beteiligten mit der Umsetzung schulischer Inklusion muss die Basis des Umsteuerungsprozesses jetzt eingeleitet werden! Dazu zählt die ehrliche Bestandsaufnahme durch alle schulpolitisch Verantwortlichen, d.h. Schulministerium, Schulaufsicht und die kommunalen Schulträger.

In der UN-Behindertenrechtskonvention wird Inklusion als Teilhaberecht aller Menschen an Bildungsangeboten und Lebenschancen gekennzeichnet. Dies verbietet eine Förderschulpflicht, nicht aber die Förderschulen. Daher begrüßt der Philologen-Verband die neue Mindestgrößenverordnung mit Korrekturen nach unten sowie die Übergangsfrist zur Sicherung der Förderschulen, die die neue Mindestgrößenschülerzahl derzeit noch nicht erreichen. Gleichzeitig sollte aus Sicht des PhV der Vorstoß der Landesregierung zum flächendeckenden Erhalt der Förderschulen bedeuten, dass auch neue Förderschulen gegründet werden können. Denn das Ministerium möchte laut Pressemitteilung den Eltern „eine echte Wahl zwischen einer allgemeinen Schule und einer Förderschule“ bieten.

Die jetzt vorgelegten Eckdaten schaffen keineswegs die Vielzahl der Unzulänglichkeiten in der schulischen Inklusion ab. „Allein die Lehrerversorgung bleibt ein Stachel im Fleisch des Notwendigen. Aber die ambitionierten Vorgaben des Schulministeriums sind ein notwendiger Schritt, der Schulen hoffen lässt, die Sorgen der Eltern und Lehrkräfte ernst nimmt und Vertrauen wieder aufbauen hilft. Alle Schülerinnen und Schüler haben Anspruch auf ein an Qualität ausgerichtetes Inklusionskonzept“, resümiert Peter Silbernagel.

Düsseldorf, den 06.07.2018

  Klaus Schwung            
- Pressesprecher -

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