Unverständliche Fehler beim Zentralabitur Mathematik!

Schülerinnen und Schüler sind die Leidtragenden –
Philologen-Verband erwartet statt Beschwichtigung eine seriöse und selbstkritische Bestandsaufnahme

Immer mehr Schülerinnen und Schüler wenden sich in den letzten Tagen Rat suchend und nicht selten verzweifelt an den nordrhein-westfälischen Philologen-Verband.

Die Aussagen der ‘Unabhängigen Kommission zur Qualitätssicherung zentraler Prüfungen‘ unter Leitung von Prof. Dr. Bos werden dieser Situation nicht gerecht, wenn öffentlich erklärt wird, „keinen weiteren Handlungsbedarf“ zu sehen. Auch Kolleginnen und Kollegen bekunden ihren Unmut über die Aufgabenstellungen bei der Grundkursklausur Mathematik und sind verärgert über die Pannen im Bereich der Analysis.

Die Schulministerin sagt zu, die Vorwürfe in entsprechenden Einzelfällen konkret zu überprüfen und es nicht dazu kommen zu lassen, dass nordrhein-westfälische Abiturientinnen und Abiturienten Nachteile erfahren.

Zum Hintergrund der Vorgänge: Die Fehler zeigten sich im Bereich der Analysis bei den Kursen, in denen herkömmliche Taschenrechner ohne sogenannte „Computer-Algebra-Systeme“ benutzt wurden. Das ist bei der überwiegenden Anzahl der Schulen - bei ca. 800 von 864 – der Fall. Die Fachlehrkräfte mussten am Tag vor der Abiturprüfung aus drei Analysis-Aufgaben eine Aufgabe auswählen. Zwei Aufgaben enthielten Funktionenscharen, die für diese Grundkurse nach den offiziellen Vorgaben des Ministeriums nicht zu den inhaltlichen Schwerpunkten zählten. Damit war die vorgesehene Auswahlmöglichkeit de facto nicht mehr gegeben. Die verbleibende Analysis-Aufgabe enthielt zudem eine sprachliche Ungenauigkeit, die allerdings vor Beginn des Abiturs noch korrigiert wurde. Weil aber zum Zeitpunkt der Aufgabenauswahl die Fehlerkorrektur noch nicht vorlag, soll an einigen Schulen diese an sich akzeptable Aufgabe nicht ausgewählt worden sein, sondern eine der zwei problematischen Aufgaben mit einer Funktionenschar.

„Die Erfahrungen der letzten Jahre lehren, dass Lehrerinnen und Lehrer sowie Schülerinnen und Schüler gerade im Rahmen des Zentralabiturs Mathematik erwarten müssen, dass die zentral gestellten Aufgaben mehrfach sorgfältig kontrolliert werden und das Ministerium seine Verantwortung ernst nimmt. Alle müssen sich darauf verlassen können, dass die Aufgaben konzeptionell und im Schwierigkeitsgrad nicht zu beanstanden sind. Ärgernisse, wie sie jetzt wiederum auftreten, dürfen einfach nicht vorkommen! Auch wenn zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht absehbar ist, wie groß die Nachteile sind, die Schülerinnen und Schüler erlitten haben, nehmen wir das Ministerium beim Wort, dass jeder Einzelfall konkret überprüft wird und erforderliche Maßnahmen nicht ausgeschlossen werden.“, äußert der Verbandsvorsitzende, Peter Silbernagel, sein Unverständnis über diese Abitur-Panne.

Der Philologen-Verband nimmt jedes Einzelschicksal sehr ernst, zumal die meisten Hochschulen bisher kaum Anstrengungen unternommen haben, die Zahl der Studienplätze entsprechend auszuweiten, da Doppelabiturjahrgänge in die Universitäten und Hochschulen drängen. Hinzu kommt, dass auch die Aussetzung der Wehrpflicht einen größeren Konkurrenzdruck für das Hochschulstudium zur Folge hat. Bereits kleinere Verwerfungen im Abitur können für die betroffenen Schülerinnen und Schüler gravierende Folgen für ihre berufliche Laufbahn bedeuten.

Düsseldorf, 13. Mai 2011

Klaus Schwung


- Pressesprecher -


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