Stellungnahme zum Brandbrief der Bezirksregierungen zur Qualitätsanalyse

„Wir sind irritiert über den Inhalt des Brandbriefes, in dem die fünf Regierungspräsidenten die Schulministerin auffordern, an der Qualitätsanalyse festzuhalten. Das Instrument der externen Evaluation steht begründet in der Kritik – die Mehrheit der anderen Bundesländer hat diese bereits abgeschafft oder ausgesetzt. Wir fordern diesen Schritt auch für NRW oder eine Neuausrichtung der Qualitätsanalyse“, so die Vorsitzende des Philologen-Verbandes NW Sabine Mistler.

  • Philologen-Verband NW zeigt sich irritiert über den Brandbrief der Bezirksregierungen zur Qualitätsanalyse
  • Keine Akzeptanz der Qualitätsanalyse auf der Ebene der Schulen im gymnasialen Bildungsgang in NRW
  • Einzig sinnvoll wären schulformspezifische und fachspezifische Differenzierungen und eine drastische Reduzierung des bürokratischen Aufwands 

Düsseldorf. Der Verband der Gymnasial- und Gesamtschullehrkräfte teilt durchaus die in dem Brief zum Ausdruck kommende Sorge um die Qualität der Schulen in NRW. Anders als die fünf Regierungspräsidenten sieht er in der Qualitätsanalyse in ihrer bisherigen Form jedoch kein wirksames Mittel zu einer Steigerung der Qualität. Dies zeige sich schon daran, dass es die Qualitätsanalyse in den fast 14 Jahren Ihres Bestehens eben nicht geschafft habe, zu einer Verbesserung der Pisa-Ergebnisse beizutragen. „Wenn fast 20 Jahre nach dem ersten Pisa-Schock die NRW-Schulen immer noch in allen Vergleichsstudien unbefriedigend abschneiden, ist das ein Zeichen dafür, dass die bisherigen Instrumentarien sich als untauglich erweisen“, so die Verbandsvorsitzende Sabine Mistler. Auch die Regierungspräsidenten müssten sich der Tatsache stellen, dass Aufwand und Ertrag der oft auch als Schulinspektion bezeichneten Einrichtung offenbar in keinem angemessenen Verhältnis stünden. Zudem gelte es, die Kritik von Schulleitungen und Lehrkräften ernst zu nehmen, die die Qualitätsanalyse überwiegend als bürokratisches Monstrum ohne erkennbaren Mehrwert wahrnähmen. „Ein Verfahren, welches unter den Beteiligten keine Akzeptanz hat, muss im Sinne eines perspektivischen Erfolgs grundlegend überdacht werden, ansonsten kann man es nur abschaffen“, so Sabine Mistler. Der Bezug auf die Pisa-Ergebnisse der anderen Bundesländer erscheine gewagt, da andere Bundesländer aus der externen Schulevaluation ausgestiegen sind, so beispielsweise Sachsen, das in allen Vergleichsstudien besonders gut abschneidet.

Der Philologen-Verband NW übt grundsätzliche Kritik an dem Verfahren und an dem zugrunde gelegten Kriterienkatalog der Qualitätsanalyse, da sie an der schulischen Realität vorbeizielten und auch im wissenschaftlichen Diskurs durchaus umstritten seien. Nötig sei daher eine komplett neue Konzeption. Schulformspezifische Aspekte wie etwa die Vorbereitung auf das Abitur und das wissenschaftspropädeutische Arbeiten an Gymnasien, Gesamtschulen und Weiterbildungskollegs müssten berücksichtigt werden. Grundlegende Voraussetzung für eine Neuausrichtung müsste auch die Einbeziehung der Fachlichkeit und der jeweiligen Schulform auf der Ebene der Unterrichtsbeobachtungsbögen sein.

Unabdingbar sei dafür die Voraussetzung, dass die Qualitätsprüfer selbst die spezifischen Anforderungen und Ziele der jeweiligen Schulform bei ihrer Arbeit kennen und berücksichtigen. Deshalb müsste das Personal der Qualitätsanalyse aus den entsprechenden Schulformen kommen, was im jetzigen System nicht gewährleistet ist. „Wir bezweifeln, dass Qualitätsprüfer, die aus dem Gymnasium stammen, beurteilen können, was guter Unterricht an der Grundschule ist. Ebenso wenig glauben wir, dass eine Kollegin, die ihr gesamtes schulisches Berufsleben an der Grundschule verbracht hat, beurteilen kann, ob der Unterricht in einem Leistungskurs kurz vor dem Abitur qualitativ gelungen ist oder nicht", so Sabine Mistler.

Hinzu komme, so der Philologen-Verband NW, dass die Lehrerinnen und Lehrer an den Schulen in NRW viel zu stark beansprucht werden. Die ausufernde Bürokratie, die Vielzahl an Konferenzen und Besprechungen, eine hohe Belastung durch Korrekturen und Mehrarbeit sowie aktuell die aufwändige Umstellung auf G9 trügen dazu bei, dass den Lehrerinnen und Lehrern kaum die nötige Zeit für die zentrale Aufgabe der Unterrichtsvorbereitung bleibe. „Die wirksamsten Mittel zur Steigerung der Qualität an unseren Schulen sind kleinere Lerngruppen und mehr Zeit für das Kerngeschäft des Unterrichtens“, betont die Verbandsvorsitzende.

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