Start in ein besonderes Schuljahr 2020/21

  • Klare Regelungen zum Infektionsschutz an Schulen
  • Unterstützung bei individuellen, pädagogischen Entscheidungen
  • Frühestmögliche Vorgaben für Schulen wünschenswert

Düsseldorf. Die Schulen in NRW starten unter Einbeziehung eines umfassenden Maßnahmenpakets zum Gesundheitsschutz von Lehrerinnen und Lehrern sowie Schülerinnen und Schülern in das neue Schuljahr. Diese Vorgaben des Ministeriums für Schule und Bildung in NRW kamen aus Sicht des Philologen-Verbandes Nordrhein-Westfalen (PhV NW) reichlich spät. Dennoch haben die Schulen in den letzten Tagen mit Hochdruck daran gearbeitet diese individuell umzusetzen. Jetzt wird die Praxis zeigen, inwieweit sich diese Regelungen im Schulalltag als praktikabel, akzeptabel und hilfreich erweisen. „Man darf nicht vergessen, dass diese pandemische Situation eine bisher nie dagewesene Herausforderung darstellt. Die Gratwanderung zwischen dem Recht auf Bildung und der notwenigen Umsetzung eines Präsenzunterrichts ist extrem schwierig, wenn gleichzeitig maximaler Infektionsschutz gelten soll“, erklärt Sabine Mistler, Vorsitzende des Philologen-Verbandes Nordrhein-Westfalen (PhV NW).

Maskenpflicht im Schulalltag bei Hitze
In den kommenden Tagen und Wochen werden Lehrerinnen und Lehrer immer wieder vor der Frage stehen, ob das verpflichtende Tragen der Mund-Nase-Bedeckung in jedem Fall umgesetzt werden muss. Denn bei den aktuell sommerlichen Temperaturen ist aus Sicht des PhV NW durchaus zu hinterfragen, ob das durchgehende Tragen der Gesichtsmasken im Unterricht sinnvoll ist. „Wir erwarten hier klare Vorgaben für Ausnahmen vom Tragen  einer sogenannten Gesichtsmaske. Der PhV NW plädiert mit Nachdruck dafür, dass in den nächsten zwei Wochen ganz besonders auf die Umsetzbarkeit und die Effektivität dieser Maßnahme geschaut wird. Bei 35 Grad Außentemperatur ist eine Mund-Nase-Bedeckung für Lehrerinnen und Lehrer sowie für Schülerinnen und Schüler eine deutliche Zusatzbelastung. Daher ist es sinnvoll, möglichst schnell nachzusteuern, wenn es eine objektive, neue Erkenntnislage gibt“, erklärt Sabine Mistler.

Schutz von Lehrerinnen und Lehrern aus Risikogruppen
Es ist verantwortungsvoll und richtig den umfassenden Schutz von Lehrerinnen und Lehrern aus Risikogruppen weiterhin sicherzustellen. Mit den vom Schulministerium NRW angekündigten Neueinstellungen von 800 Lehrerinnen und Lehrern im Vorgriff auf die notwendigen Stellen an den Gymnasien mit dem Ausbau von G9 ist hier ein wichtiger Schritt zur Entlastung der Schulen erfolgt. „Das neue Schuljahr bringt für die Schulen große Herausforderungen mit sich. Die COVID-19-Pandemie bedeutet für Schulen auch, dass mehr Personal und mehr Aufwand nötig sind. Eine personelle Aufstockung ist hier unabdingbar“, stellt Sabine Mistler fest.

Digitalisierung des Unterrichts kommt voran
Die Initiative des Schulministeriums NRW digitale Endgeräte sowohl für Lehrkräfte als auch für Schülerinnen und Schüler zu fördern, ist sehr wichtig und natürlich längst überfällig. Das allein wird allerdings nicht ausreichen: „Hier sind jetzt die Schulträger gefragt, die mangelhafte digitale Infrastruktur und die bislang unzureichende Ausstattung so schnell wie möglich zu verbessern. Aber Endgeräte allein machen keinen guten Unterricht aus. Die Geräte müssen in ein Unterrichtskonzept eingebunden werden und die Mischung von Präsenzunterricht und Lernen auf Distanz muss klare Regeln haben und verbindliche pädagogische Konzepte“, stellte Sabine Mistler klar. Darüber hinaus ist es außerdem notwendig, die Unterstützung der Lehrerinnen und Lehrer auch in rechtlichen Fragen zu verbessern. „Wir brauchen dringend Fortbildungen und eine externe Wartung und Administration der neuen Geräte“, so Sabine Mistler weiter. 

Schulministerium auch weiter in der Pflicht
Auch in den kommenden Wochen und Monaten werden sich die Schulen in NRW immer wieder den aktuellen Notwendigkeiten im Kampf gegen die COVID-19 Pandemie stellen müssen. Daher ist es aus Sicht des PhV NW wichtig, dass auch das Ministerium für Schule und Bildung in NRW weiterhin Regelungen anpasst und aktualisiert. Dies führt grundsätzlich zu einer erhöhten Handlungssicherheit an den Schulen. „Allerdings ist es auch wünschenswert, wenn Regelungen möglichst frühzeitig veröffentlicht werden und in enger Abstimmung mit Experten entstehen. Wichtig ist die klare und eindeutige Definition der Kompetenzen und Zuständigkeiten“, stellt Sabine Mistler klar. Darüber hinaus muss berücksichtigt werden, dass viele Schülerinnen und Schüler auch Unterrichtsstoff aus dem vergangenen Schuljahr noch aufholen müssen. Gerade auch mit Blick auf die Abiturprüfungen 2020/21 und 2021/22 sind rechtzeitige und klare Vorgaben aus Sicht des PhV NW von entscheidender Bedeutung.

Die vor den Schulen liegenden Herausforderungen sind nur gemeinsam zu bewältigen. Die Lehrerinnen und Lehrer leisten Großartiges. Sie brauchen Unterstützung und Vertrauen, damit das vor uns liegende Schuljahr ein Erfolg wird.