Bankrotterklärung in der Schulpolitik! Ministerin-Vorschläge zum Umgang mit mehr als 3.500 fehlenden Lehrkräften sind Armutszeugnis!

Der nordrhein-westfälische Philologen-Verband ist entsetzt. Seit Jahren mahnt er, dass der massive Unterrichtsausfall abgebaut und den Schulen endlich eine ausreichende Lehrerstellenreserve zugewiesen wird. Immer wieder rechnet das Schulministerium eine statistisch ausreichende Lehrerversorgung vor.

Unter dem Druck des Landesrechnungshofes, der vor Tagen dokumentierte, dass die den Schülerinnen und Schülern zustehende Stundentafel an einer überwiegenden Zahl an Gymnasien und Realschulen nicht weitergegeben wurde, muss Schulministerin Sylvia Löhrmann nun zugeben, dass den Schulen über 3.500 Lehrerstellen fehlen. Den Gymnasien fehlen – offiziell zugegeben – mehr als 1.000 Lehrerstellen. Noch vor Tagen wies man die Schuld für unterschrittene Stundentafeln den Schulen und der unzureichenden Schulaufsicht zu. Der Philologen-Verband hatte von Anfang an versichert, dass keine Schulleitung fahrlässig mit dem Bildungsanspruch der Schülerinnen und Schüler umgehe. Er sah den entscheidenden Grund in dem fachspezifischen Lehrermangel und der völlig unzureichenden Versorgung von Lehrkräften. Das Schulministerium bestätigt – leider recht spät! – unsere Situationsbeschreibung. Jetzt ist klar: im Durchschnitt fehlen pro Gymnasium mindestens 2 (!) Lehrerstellen.

„Das ist ein Skandal! Es ist völlig unverständlich, dass die Ministerin erst jetzt die riesige Lehrerlücke zugibt. Eine Katastrophe aber sind ihre Vorschläge, die sie den Schulen macht. So soll der Unterricht beispielsweise in den Religionsfächern oder im Sport jahrgangsübergreifend unterrichtet werden. Was soll diese Null-Wertschätzung gegenüber diesen Fächern?“, fragt Peter Silbernagel, Vorsitzender des nordrhein-Westfälischen Philologen-Verbandes. „Die den Schulen seit Jahren vorenthaltenen Stellen müssen schnellstens zugewiesen werden! Alles andere ist doch pädagogisch völlig unzumutbar! Es provoziert Willkür-Notlösungen, ist für Schülerinnen und Schüler eine weitere Belastung und wegen der ohnehin unvermindert übergroßen Klassen schulorganisatorisch nicht umsetzbar! Ich will nicht glauben, dass solche Vorschläge ernsthaft aus dem Schulministerium kommen“, kommentiert der Verbandsvorsitzende Peter Silbernagel. 

Nach diesem schulpolitischem Desaster erwartet der Philologen-Verband, dass das Schulministerium sämtliche Daten zur Schulversorgung offen legt. Dabei ist der Seriösität geschuldet, auch die notwendigen Lehrerstellen bei der Beschulung von Flüchtlingskindern einzubeziehen und ebenso die Tausende von Lehrerstellen, die bei der Umsetzung von Inklusion fehlen. Eltern, Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler haben einen Anspruch auf eine ehrliche Bestandsaufnahme. Und sie haben einen Anspruch darauf, dass jetzt schnellstens vernünftig und sachangemessen mit dem Ersetzen der fehlenden Lehrkräfte begonnen wird!“, so Peter Silbernagel. „Bitte keine Beschwichtigung oder Vertröstung!“


Düsseldorf, 26.08.2015

gez. Klaus Schwung
- Pressesprecher -

 

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