Als Gymnasiallehrer an die Grundschule – PHV NW sieht Maßnahme der Landesregierung zunehmend kritisch

Düsseldorf, 15.10.2019. Für die Lehramtsanwärter steht derzeit nach erfolgreich abgeschlossenem Referendariat die Bewerbung und Einstellung an einer Schule in NRW an. Schulministerin Yvonne Gebauer hat im Juli 2019 erneut bei über 5.500 Lehrern der Sekundarstufe II dafür geworben, sich auch auf Stellenausschreibungen an anderen Schulformen zu bewerben, also an Grundschulen, Schulen der Sekundarstufe I und Berufskollegs sowie auf Stellen für die sonderpädagogische Förderung. Hintergrund der Maßnahme ist ein Bewerberüberhang für das Lehramt an Gymnasien und Gesamtschulen in NRW, während für die kommenden zehn Jahre ein Personalmangel für die Sekundarstufe I und für die Grundschulen prognostiziert wird.

Der Philologen-Verband in Nordrhein-Westfalen (PhV NW) sieht diese Maßnahme zunehmend kritisch: „Dass Sek-II-Lehrkräfte die Möglichkeit haben, sich auch für andere Schulformen zu begeistern ist grundsätzlich gut. Aber ohne die Garantie, auch langfristig an der gewählten Schulform bleiben zu können und dort verbeamtet zu werden, ist das nur eine Teillösung“, erklärt die Vorsitzende des PhV NW Sabine Mistler. „Die Maßnahme ist nicht zu Ende gedacht.“

Probleme bereitet vor allen Dingen die Schulwechselgarantie am Ende der Zeit an andere Schulformen. Die Lehrkräfte erhalten die Zusage, nach zwei oder vier Jahren auf eine Sek- II-Schule, also auch an ein Gymnasium wechseln zu können. „Die Schulwechselgarantie erhöht potentiell unsere Überhänge in Fächern, an denen am Gymnasium gar kein Bedarf besteht. Uns am Gymnasium fehlen vor allen Dingen MINT-Lehrkräfte“, stellt Sabine Mistler fest. „Die Maßnahme führt also perspektivisch dazu, dass wir einen Überhang an Lehrkräften mit Fächerkombinationen erhalten, die an den Gymnasien nicht gefragt sind – mit allen Gefahren für die Bildung der Schülerinnen und Schüler. Wir fordern daher einen Einstellungskorridor, der es den Gymnasien ermöglicht, passgenau die Lehrkräfte einzustellen, die beste Bildung in allen gymnasialen Fächern garantieren.“

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