Leverkusen

Bezirk Leverkusen

Über den Bezirk


Der Bezirk Leverkusen steht mit seiner Mischung aus urbanen Strukturen und ländlicher Idylle vielleicht stellvertretend für das ganze Land NRW. Während in den Tälern der Wupper die industrielle Revolution ihren Anfang genommen hat, wurde sie mit der Chemie am Rhein in Leverkusen und einer großen Zuwanderung fortgesetzt. Heute bestimmt gerade diese Mischung aus Tradition und Moderne, Beständigkeit und Integration auch den Alltag in dem Schulen unsere vergleichsweise kleinen Bezirks. Umso mehr legen wir Wert auf Kommunikation und Austausch untereinander, denn insbesondere die Verbindung aus Erfahrung und Vision schafft Zukunft und hilft uns im Alltag.

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„Sie sind zum Lernbegleiter gemacht worden“! - Vortrag und Diskussion mit Michael Winterhoff und Sabine Mistler

Gleich drei Bezirke des Philologen-Verbandes NW, nämlich die Bezirke Bonn/Rhein-Sieg, Leverkusen und Oberberg, hatten sich zusammengetan und ihre Mitglieder am 27.02.2020 zu einem Vortrag des Kinder- und Jugendpsychiaters, Psychotherapeuten und Bestsellerautors Michael Winterhoff und einem anschließenden Gespräch mit der Landesvorsitzenden Sabine Mistler eingeladen.

Dr. Winterhoff beim Vortrag

Kritische Bestandsaufnahme: “Ich halte das manchmal nicht mehr aus! Wie halten Sie das aus?“

Dankenswerterweise hatte dafür das Albertus-Magnus-Gymnasium in Bergisch-Gladbach seine Aula zur Verfügung gestellt. Moderiert wurde der Abend von André Schmitz-Niggemann, dem Vorsitzenden des Bezirkes Oberberg, der diese Rolle ebenso professionell wie abwechslungsreich ausfüllte. Trotz widriger Wetterbedingungen und heftigen Schneefalls hatten sich ca. 100 Interessierte eingefunden. Zunächst begann Winterhoff mit einer Bestandsaufnahme aus ärztlicher Perspektive und attestierte vielen Absolventen eine oft nicht mehr gegebene Studierfähigkeit und Ausbildungsreife. Habe es früher ein bis zwei auffällige Schüler pro Klasse gegeben, so habe sich dieses Verhältnis heute umgekehrt. Viele hätten Probleme mit  Frustrationstoleranz und Fremdbestimmung in diesen Kontexten. Verstärkt würden diese Prozesse durch die Abschaffung der Kindheit im Kontext der Digitalisierung, die die Gesellschaft und die Individuen überrolle und diffuse Umgebungen schaffe. In einem inhaltlich wie rhetorisch fesselnden Vortrag wurden dann weitere Kernthesen entfaltet.

Sabine Mistler und André Schmitz-Niggemann im Gespräch mit Dr. Winterhoff

Sabine Mistler: „Der PhV NW zeigt der Politik auf, was kritisch ist!“

In der anschließenden Fragerunde plädierte Winterhoff dafür, qualitätvolle Bildung bereits in Grundschule und Kindergarten beginnen zu lassen, klare Konzepte von Führung zu entwickeln, sich nicht hinter vermeintlich modernen pädagogischen Konzepten zu verstecken und in der Schule mehr einzufordern. Sabine Mistler machte deutlich, dass der PhV NW den Kolleginnen und Kollegen im System eine Stimme gebe und dass der Verband nicht in allen, aber in vielen Punkten mit Winterhoff übereinstimme. Gleichzeitig bemängelte sie die überbordende Aufgabenfülle, die großen Lerngruppen und mahnte deutlich eine bessere finanzielle Ausstattung des Schulsystems an.

In der Pause signierte Dr. Winterhoff Bücher

Mehr Rückendeckung für Lehrkräfte gefordert: „Fachleute sichern in dem, was sie tun.“

Winterhoff forderte ebenso wie Sabine Mistler mehr Rückendeckung für die Lehrkräfte und gab den Anwesenden den Hinweis, die Eltern als Erziehungsbrechtigte wieder deutlich stärker in die Pflicht zu nehmen. Eltern und Lehrkräfte dürften nicht den Fehler begehen, die Kinder als gleichberechtigte Partner anzusehen. Er plädierte dafür, die Schule müsse die Möglichkeit zur psychischen Entwicklung bieten. Dies erfordere u. a. wieder ein stärker personenzentriertes Arbeiten, das Verbot von Handys („Vergiftungsmaschinen“) in Schule und einen gemeinsamen Rahmen in Schule, den alle vertreten sollten.

  von links: André Schmitz-Niggemann, Sabine Mistler, Dr. Michael Winterhoff, Jutta Bohmann, Christian Vorkauf, Rolf Faymonville

Obwohl die Diskutanten als auch Publikum und Moderator sich noch länger hätten austauschen können, fand der Abend nach zweieinhalb Stunden ein Ende mit viel Applaus und dem treffenden Resumee des Moderators: „Es war ein spannender Abend mit viel Potential zum Nachdenken.“

Lars Strotmann