Wie die Krise zur Chance werden kann – oder pragmatische Strategien bei dem diesjährigen Frauenreferentinnentag in Dortmund

„Nimmt man die Chance aus der Krise, wird sie zur Gefahr.
Nimmt man die Angst aus der Krise, wird sie zur Chance.“

Mit dieser Volksweisheit eröffnete Jutta Bohmann, Vorsitzende des Referates Frauen, Familie und Gleichstellung des Philologenverbands Nordrhein-Westfalen, den diesjährigen traditionellen Frauenreferentinnentag am letzten Samstag des Novembers für knapp 50 Ansprechpartnerinnen für Gleichstellungsfragen an den Schulen bzw. an dieser Thematik interessierte Kolleginnen.

Auf mehrheitlichen Wunsch der Teilnehmerinnen des letztjährigen Frauenreferentinnen-tages knüpfte die Fortbildungstag an die Inhalte des Vorjahres an, wobei auch Neueinsteigerinnen herzlich willkommen waren und dem Kurs ohne Schwierigkeiten folgen konnten, da es der erfahrenen Referentin gekonnt gelang, den Spagat zwischen Neulingen und Expertinnen als Einführung in die Thematik wie auch als Reaktivierung des Vorwissens zu gestalten. Theoretische und praktische Einheiten erfolgten dabei im Wechsel zwischen Plenum und Kleingruppen, so dass die Teilnehmerinnen in unterschiedlichen Formen regen Austausches das Vermittelte stets direkt anzuwenden wie einzuüben vermochten.

Die durch bereits einige Veranstaltungen für den PhV auf unterschiedlichen Ebenen bekannte wie äußerst geschätzte Referentin Anne Bonn (Dipl.-Ing.) verfügt über eine Ausbildung als personenzentrierte Coach und Beraterin (GwG), ist Ausbilderin für Personenzentrierte Gesprächsführung (GwG), Kommunikationstrainerin und Dozentin für Kreativseminare und Moderation, Moderatorin für Kinder- wie Jugendpartizipation und vermittelt die Methode des Züricher Ressourcen Modells (ZRM) im Einzelsetting sowie in Gruppen.

Aufbauend auf die menschlichen Grundbedürfnisse übten die Kolleginnen Situationen, die sie in ihrem Berufsalltag häufig erleben und die ihnen immer wieder Schwierigkeiten bereiten.

Anne Bonn beleuchtete in diesem Kontext – und zwar höchst sensibel, aufmerksam wie auch empathisch bezogen auf individuelle Schwierigkeiten (mit einem phänomenalen Gedächtnis für die Beiträge der einzelnen Kolleginnen) klar und strukturiert – die jeweils unterschiedlichen Bedüfnislagen und vermittelte den Teilnehmerinnen Handwerkszeug, um in schwierigen Gesprächen mit Eltern, Schülern und Kollegen dennoch zugewandt und offen zu bleiben, indem „Frau“ lernte, sich weniger persönlich angegriffen zu fühlen, in geringerem Maß auf dem Appellohr und verstärkt auf dem Beziehungsohr zu hören (Schulz-von Thun) – kurz: eine professionelle Distanz zu entwickeln. Dabei standen die drei Variablen Akzeptanz, Empathie und Kongruenz der Personenzentrierten Gesprächsführung dergestalt im Vordergrund, dass den Kolleginnen hinter den Gefühlen (Wut, Ärger, Traurigkeit) die verschiedenen Bedürfnisse (z.B. Anerkennung, Verbundensein, Wertschätzung, Selbstwirksamkeit) erschlossen wurden. Dies erfolgte stets anhand von konkreten Beispielen aus dem schulischen Berufsalltag.

So gelang es den Anwesenden verstärkt Verständnis für sich selbst, für die Kolleginnen und Kollegen, Schülerinnen und Schüler sowie die Eltern zu gewinnen. Auf der Basis der eigenen Beispiele vermochten sie ihr Gesprächsverhalten zu reflektieren und in die von ihnen gewünschte Richtung zu verändern. Das geschah mit dem Ziel, sich eine innere Haltung zu erarbeiten, die es ermöglicht, eine positive Beziehung zu den Kindern und Jugendlichen wie deren Eltern aufzubauen, ohne sich selbst aus dem Blick zu verlieren.

„Wie einfach es doch letztlich ist, komplexe psychische Zusammenhänge zu verstehen, indem ich die dahinter liegenden Bedürfnisse erkenne und darauf angemessen reagiere!“, fasste eine Teilnehmerin ihren „Ertrag“ des Fortbildungstages zusammen. „Jetzt fühle ich mich sicherer im Umgang mit Konflikten“, notierte eine weitere auf dem Feedbackbogen.

Dabei gelang es der kompetenten Referentin trotz ihres ambitionierten Programms, den Kolleginnen auch Raum für den persönlichen Austausch bis hin zu einer Netzwerkbildung zu gewähren.

Welche Chancen sich somit aus Krisen eröffnen können, griff abschließend Jutta Bohmann ihre eingangs zitierten Worte wieder auf, subsumierte die Veranstaltung als eine solche und formulierte vor diesem Hintergrund ihre Weihnachtswünsche für die Kolleginnen mit Hilfe eines weiteren Zitats von Johann Wolfgang von Goethe:

Auch aus Steinen,
die einem in den Weg gelegt werden,
kann man Schönes bauen.

Auf dass es den Kolleginnen in diesem Sinne gelingen möge, wunderschöne Bauwerke unterschiedlicher Dimensionen zu errichten, blicken diese von einem aufschlussreichen Tag in eine viel versprechende Zukunft.