IQB-Bildungstrend 2018 bestätigt die Leistungsfähigkeit des vielgliedrigen Schulsystems

Leserbrief zum Kommentar „Von den Besten lernen“ (Westfälische Nachrichten, 19.10.2019)

 

Mit Blick auf die im IQB-Ländervergleich deutlich gewordenen Leistungsunterschiede der Schülerinnen und Schüler fragt die Verfasserin: „Wie stellen es Bayern und Sachsen an, dass sie beständig an der Spitze stehen?“. Die Antwort liegt auf der Hand: Die besten Bildungschancen haben Kinder offensichtlich in den Ländern, die am meisten auf ein differenziertes, begabungsgerechtes Schulsystem mit mehreren Schulformen neben dem Gymnasium setzen und die am wenigsten an ihren Schulformen herumexperimentiert haben. In den beiden erfolgreichsten Bundesländern zählt zudem beim Übergang in die weiterführenden Schulen neben dem Elternwillen auch die verbindliche Leistungsbewertung der Schülerinnen und Schüler.

Dass die Gymnasien mit wenigen Ausnahmen dieses Mal schlechter abgeschnitten haben, zeigt die Vernachlässigung dieser Schulform in vielen Bundesländern. Dies lässt sich beispielsweise an zu geringen finanziellen und personellen Ressourcen für Begabungsförderung festmachen. Es gilt, den Grundsatz der individuellen Förderung umfassend ernst zu nehmen und neben der Förderung leistungsschwächerer Schüler die Leistungsstärkeren nicht aus dem Blick zu verlieren.

Forderungen von SPD und Grünen nach der „einen Schule für alle“ müssen vor dem Hintergrund des aktuellen IQB-Bildungstrend-Ergebnisses klar zurückgewiesen werden. Die Studie dokumentiert einmal mehr, dass alle Schülerinnen und Schüler in vielgliedrigen Schulsystemen mit verbindlicher Grundschulempfehlung wie in Bayern und Sachsen bessere Leistungen erbringen und damit bessere Zukunftschancen haben. Unsere Schulpolitiker sollten von den Besten lernen, damit unsere Kinder am besten lernen können!

 

Ulrich Martin, Borken