„Maῆana-Kompetenz“ – Kraft tanken und Position beziehen

(von Dr. Gabriele Jacob, Eitorf)

Die zweitägige Seminarveranstaltung des Referates „Frauen, Familie und Gleichstellung“ in der dbb-Akademie Königswinter ermöglichte uns Teilnehmerinnen eine sehr persönliche und intensive Auseinandersetzung mit den besonderen geschlechtsbezogenen Belastungen, die wir Frauen im Lehrerinnenberuf bewältigen (müssen). Immer noch nehmen vermehrt Frauen Elternzeit, tragen nach dem Wiedereinstieg in den Beruf häufiger als Männer die Doppelbelastung und sorgen in unserer überalternden Gesellschaft zusätzlich für die Betreuung unserer Eltern und Großeltern. Zentrales Anliegen des Seminars war deshalb die Stärkung unserer Resilienz und unserer Regenerationsfähigkeit im Schulalltag. Positionen klar zu beziehen, war ein weiteres zentrales Ziel.

Die von der Vorsitzenden des Referates Jutta Bohmann ausgewählte Referentin, Laura Jordaan vom Institut für LernGesundheit der Universität Lüneburg, vermittelte in Vorträgen und Präsentationen wichtige Einsichten aus den Bereichen Medizin und Psychologie, wie z.B. ein Grundwissen über die neuronale Stressachse, über die Bedeutung von Neurotransmittern für die Bewertung von Emotionen oder über das körperliche Wechselspiel von Sympathicus und Parasympathicus. Zwangsläufig muss aus diesen medizinischen Erkenntnissen die Notwendigkeit abgeleitet werden, im Schulalltag eine Abwechslung aus Phasen der Anspannung und der Entspannung zu schaffen. Aufbauend auf der sogenannten „Maῆana-Kompetenz“ – dargestellt in dem Buch „Maῆana-Kompetenz – Auch Powermenschen brauchen Pause“ von Gunter Frank und Marja Storch –, haben wir Teilnehmerinnen unsere ganz individuellen „Maῆana-Zonen“ gesucht, in denen wir persönlich am besten unseren Parasympathicus aktivieren können; wir haben bewusst kurze, mittellange und lange „Zeiten der Entspannung“ in die „Lücken“ unseres Schulalltags eingefügt, wie z.B. das „achtsame Gehen“ über den Schulflur, das „bewusste Trinken" einer warmen Tasse Tee während der großen Pause im Lehrerzimmer oder ein „meditativer Moment“ während einer Gruppenarbeitsphase im Unterricht. Und immer wieder mussten wir feststellen, wie schwer es uns die Arbeitsverdichtung sowie die wahrgenommenen und vermittelten gesellschaftlichen Rollenerwartungen im „System Schule“ machen, auch nur unsere vernünftigsten und notwendigsten Grundbedürfnisse im Sinne unserer Gesunderhaltung zu befriedigen. Ergänzend haben wir uns deshalb mit Entspannungstechniken, wie z.B. der Progressiven Muskelentspannung nach Edmund Jacobson, beschäftigt und ihren Nutzen für uns ganz persönlich in praktischen Übungen geprüft. Wir haben unsere Abgrenzungsfähigkeiten erweitert, indem wir Abschaltrituale kennengelernt und über Regeln für gesunde Erholungsphasen nachgedacht haben. Den Situationen, in denen uns der Stress im Griff hat, haben wir Stressbewältigungsstrategien, wie z.B. den positiven Tagesrückblick, die Selbstwertschätzung oder den Blick auf unsere Ressourcen, entgegengestellt und ihre Nützlichkeit selbst ausprobiert. Die Auseinandersetzung mit dem sogenannten Effort-Reward-Imbalance Modell lenkte unsere Aufmerksamkeit auf die Zufriedenheit, die wir für uns selbst und für die Menschen in unserem Umfeld erreichen können, wenn wir in Belastungssituationen bewusst eine realistische Nutzen-Aufwand-Abwägung berücksichtigen, anstatt uns selbst und andere mit einem übertriebenen Perfektionsstreben zu überfordern.

Am allerwichtigsten in diesem Wochenendseminar – wichtiger noch als all der wissenschaftliche Input über Strategien zur Abgrenzung oder zum Umgang mit Belastungen – war allerdings der sehr persönliche Austausch zwischen uns Kolleginnen, der es uns ermöglichte, voneinander das zu lernen, was nicht in wissenschaftlichen Büchern zu lesen ist.

Ein (überlebens)wichtiges Seminar also – äußerst empfehlenswert nicht nur für uns Frauen!