Pressemitteilung
Dienstag, den 07. Februar 2012
Nachdem vor Tagen die Zeugnisnoten in den Grundschulen für die ersten dreieinhalb Jahre zur Disposition gestellt wurden, plant man nun in den Gesamtschulen von der bisher verpflichtenden Struktur von Grund- und Erweiterungskursen absehen zu können.
Ein Änderungsentwurf zur Ausbildungsordnung in der Sekundarstufe I sieht vor, dass die Fachleistungsdifferenzierung auf zwei Anspruchsniveaus (G-/E-Kurse) in Mathematik und Englisch (Klasse 7), in Deutsch (Klasse 8 oder 9) sowie in Physik oder Chemie (Klasse 9) künftig durch „Binnendifferenzierung in gemeinsamen Lerngruppen“ ersetzt werden kann. Die Schulkonferenz entscheidet hierüber.
„Wir sind auf dem Weg zur notenfreien Schule! Das Verbot von Noten beim Arbeits- und Sozialverhalten, die aufgekündigte Verbindlichkeit bei den Grundschulgutachten am Ende der 4. Klasse, die Diskussion um ’zieldifferenten‘ Unterricht bei Inklusionsklassen mehren den Verdacht, dass transparente Leistungsanforderungen immer mehr weichgespült werden. Der Verzicht auf die äußere Leistungsdifferenzierung in Kursen an Gesamtschulen ist außerordentlich problematisch. Die Kriterien der Unterscheidbarkeit von Anforderungen verdunsten!“, zeigt sich Peter Silbernagel, Vorsitzender des Philologen-Verbandes, besorgt über diese Beliebigkeitstendenzen.
Die Entscheidung über Struktur und Format von Leistungsansprüchen und –angaben in die Kompetenz von Schulkonferenzen zu geben, ist bedenklich. Schul-Selbstständigkeit kann doch nicht bedeuten, dass sich das Land aus verbindlichen Formen der Leistungsüberprüfung verabschiedet! In der Folge nämlich wird die Vergleichbarkeit innerhalb der Schulformen immer stärker ausgehöhlt. „Wenn wir die Aussagekraft und Verlässlichkeit schulischer Bewertungen unterlaufen, provoziert man Eingangs(über)prüfungen am Ende der Schulzeit durch andere Institutionen. Wollen wir ernsthaft die Entwertung schulischer Qualitätsstandards?“, fragt Peter Silbernagel.
Düsseldorf, 07.02.2012
Klaus Schwung
- Pressesprecher -
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