Pressemitteilung
28. Oktober 2009, 14:16 Uhr
Philologen-Verband kritisiert neues Pilotprojekt zur Schulentwicklung
Mit Skepsis reagiert der nordrhein-westfälische Philologen-Verband auf das Angebot der Mercator-Stiftung, die „Ganztagsangebote an Gymnasien in NRW“ zu begleiten und zu unterstützen. Geplant ist eine Initiative des Dortmunder Instituts für Schulentwicklungsforschung, die insgesamt 10 Millionen EUR bereitstellt und ca. 30 Gymnasien über einen Zeitraum von 6 Jahren auf ihrem Weg zu einer Ganztagsinstitution beraten und begleiten soll. Inhaltlich geht es um die organisatorische Weiterentwicklung der Schule und des Unterrichtsgeschehens.
Verwunderung löst die Beschreibung des Projekts aus, das die „traditionell auf Selektion angelegte gymnasiale Kultur hin zu einer Kultur der individuellen Förderung der bereitstehenden Potentiale bei Schülerinnen und Schülern verändern“ soll. In einem Bericht der Rheinischen Post vom 28.10.09 heißt es, dass der „übliche ‚Frontalunterricht‘ (…) durch neue pädagogische Konzepte ersetzt werden“ soll.
„Wenn es bei diesem Projekt darum geht, alte Vorurteile gegenüber den Gymnasien zu kultivieren, dann lehnt der Philologen-Verband dieses Unterfangen kategorisch ab. Wir brauchen keine ideologischen Scheuklappen, schon gar nicht müssen wir uns belehren lassen, wie eine gute Schule gelingt. Die Leistungsfähigkeit der Gymnasien ist bei allen internationalen Studien dokumentiert, die Sitzenbleiber-Quote ist an Gymnasien die geringste im Vergleich zu allen anderen Schulformen in Nordrhein-Westfalen. Und die Ergebnisse der Zentralabiture der letzten Jahre sind überzeugend gut. Auch die Integration der Schülerinnen und Schüler wie ebenso die Kultur des Förderns an Gymnasien sind selbstverständliche Praxis. Zudem spricht die Bereitschaft von über 110 Gymnasien, sich innerhalb kürzester Zeit zu Ganztagsschulen weiterzuentwickeln, für sich“, kommentiert Peter Silbernagel, Vorsitzender des Philologen-Verbandes, das Projekt.
Sollte das Vorhaben den „pädagogischen Zeigefinger“ zurücknehmen und von dem Fehlurteil ablassen, dass Ganztagsgymnasien keine vollwertigen Gymnasien sind, dann lässt sich darüber sprechen, ob eine wissenschaftliche Begleitung schulischer Prozesse sinnvoll und unterstützenswert ist.
„Wir brauchen keine neuen Schulprojekte! Schon gar nicht muss man Gymnasien zeigen, wie Ganztagsschule gelingt und dafür insgesamt 6 Jahre veranschlagen. Was glauben eigentlich manche Theoretiker, wie die Gymnasien in Nordrhein-Westfalen die Schulzeitverkürzung bisher umgesetzt haben? Statt mehr wissenschaftlicher Projekte brauchen wir in einigen Regionen eine größere Unterstützung der Kommunen bei dem Ausbau der Schulen, die alle im Gymnasialbereich mehr als bisher Ganztagsangebote vorhalten. Und wir brauchen eine glaubwürdige Reduzierung der Arbeitsbelastungen an den Schulen!“, so Peter Silbernagel.
Düsseldorf, den 28.10.2009
gez. Klaus Schwung
- Pressesprecher -
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